Dass etwas, was vor 30 Jahren gegründet worden ist, heute noch besteht, ist ein nicht ganz so seltens Phänomen, dennoch ein wirklicher Glücksfall. 1980 war eine historische Wende in der Geschichte der burgenländischen Dörfer. Nach 1945 hatte sich die dörfliche Welt vollkommen verändert. Männer suchten und fanden vermehrt ihre Arbeit außerhalb des Dorfes, sehr bald auch die Frauen. Die Hauptbeschäftigung war nicht mehr die Arbeit inder Landwirtschaft, Indurstrien kamen in die Dörfer und brachten ein neues Ambiente hinein. In den Dörfern begann langsam auch das, was wir den Zuzug nicht-dörflicher Gesellschaftsgruppen bezeichnen. Aber gerade jene Menschen waren es, die großteils aus der Stadt zugezogen waren und die dazu beitrugen, dass das Dorf seinen dörflichen Charakter verloren hat. Und nun waren es vor allem auch wieder jene aus den Städten aufs Dorf gezogenen Leute, die im Dorf gerade das nicht mehr vorfanden, was eigentlich typisch für das Dorf war und was sie dort auch gesucht haben.

 

Was aufgegeben worden war, ist den Dorfbewohnern bis dahin auch nicht abgegangen. Man hatte zu tun, den Anschluss an die Stadt zu finden, Bequemlichkeiten, die dort selbstverständlich waren, auch in den Dörfern zu etablieren. Dass man in der Zwischenzeit etwas verloren hatt, was es bis in die fünfziger Jahre auch (oder vor allem) gegeben hat, hat man erst in den späten Siebzigern bemerkt. Dazu gehörte das, was wir heute mit Volkskultur bennnen.

 

Vor allem das Auftreten einer Blasmusikformation ging einem ab, die die im Dorf noch immer zu feiernden Feste verschönerten oder verschönern sollten. Man hatt 1980 das Gefühl, man müsste etwas institutionalisieren, was bis in die fünfziger Jahre quasi von selbst gelaufen war. Insofern kann man die Gründung eines Vereins "Musikverein Winden am See" nicht als Dorferneuerung bezeichnen, denn es wurde ja nichts erneuert, was es schon einmal gegeben hat, sondern volkskultruelle Bausteine wurden nun vereinsmäßig geführt und damit amtlich, somit auch förderungswürdig, mit allen daraus folgenden Einzelheiten, die nach 1980 dazukamen, an die man auch bei der Gründung gar nicht gedacht hatte.

 

Die Proponenten des Musikvereins Winden am See waren 1980 auf der Höhe der Zeit, denn ähnliche Phänomene zeigten sich in diesen Jahren in jedem Dorf. Überall machte sich der Gedanke breit, man dürfte nicht alles aufgeben, was einmal gewesen ist. Man dürfte aber auch nicht das Alte wieder aufleben lassen, sondern müsste es in einem neuen Gewand wieder erstehen lassen. Die Vorstandsmitglieder hatten 1980 und haben heute noch die Gewissheit, dass damit etwas Entscheidendes für das Dorf geschehen ist, denn der Musikverein ist in den vergangenen 30 Jahren eines der Aushängeschilder des Dorfes geworden.

 

Selbstverständlich gab es nicht immer nur eine ständige Aufwärtstendenz. Das ist über eine so lange Spanne Zeit gar nicht möglich. Dass aber alle Rückscläge dazu geführt haben, dass man den Anfangsschwung wieder beschwört, zeigt, dass man hier doch nicht für den Tag, sondern - wie man heute so schön sagt - nachhaltig plant.

 

Und so darf ich dankbar sein für das, was uns damals möglich gemacht worden ist: einen Meilenstein zu setzen für das, was uns 1980 als Idealbild eines moderenn Dorfes vorgeschwebt ist; freilich: mit allen Schwächen, Kleinlichkeiten, Intrigen und Rückschlägen, - wie das eben bei allen menschlichen Werken immer so ist. Etwas anderes wäre uns gewiss als nicht normal vorgekommen. So aber haben wir etwas getan, was uns damals durchaus normal vorgekommen ist. Wir haben viel Ziet, Energie und Nerven, der eine und er andere auch Gels investiert. Wenn man den Musikverein heute ansieht, muss man sagen, dass das alles nicht umsonst war, sondern eine durchaus gelungene Investition. Und so muss ich nicht zuletzt auch dankbar daüfr sein, dass ich damals dabei sein durfte.

 

Helmut Stefan Miletich

Winden, im Mai 2010